Blastozystenkultur im EmbryoScope® in Bonn – Ablauf, Vorteile & Einschätzung

Befruchtete Eizelle auf einem Bildschirm - im Rahmen der Blastozystenkultur

Die Blastozystenkultur ist eine der wichtigsten Zusatzmaßnahmen in der modernen Reproduktionsmedizin. Für Patientinnen und Paare mit Kinderwunsch stellt sich häufig die Frage, ob die von den Krankenkassen vorgesehene Standardkultur ausreichend ist oder ob die Blastozystenkultur bessere Chancen bietet. Als Kinderwunschklinik, die diese Zusatzleistung in Bonn anbietet, erklären wir transparent und verständlich, was die Blastozystenkultur im EmbryoScope® bedeutet, wie sie sich von der Standardkultur unterscheidet und warum wir diese Methode in unserer täglichen Praxis empfehlen.

Was ist die Blastozystenkultur im EmbryoScope®?

Bei der Blastozystenkultur werden mehrere befruchtete Eizellen bis zum fünften Entwicklungstag kultiviert. Ab diesem Zeitpunkt spricht man von einer Blastozyste. Die Kultivierung erfolgt bei uns im EmbryoScope®, einem modernen Brutschrank mit integrierter Kamera, der etwa alle 15 Minuten Aufnahmen der Entwicklung erstellt.

In unserem Labor verbleiben die befruchteten Eizellen und Embryonen während der gesamten Kulturdauer in einer sehr kleinen, geschlossenen Kammer. Temperatur, pH-Wert und Gaszusammensetzung bleiben konstant. Die Entwicklung kann so lückenlos beobachtet werden, ohne die Zellen aus ihrer geschützten Umgebung herauszunehmen.

Standardkultur vs. Blastozystenkultur – die Unterschiede

Standardkultur Blastozystenkultur
Dauer der Kultur: 2–3 Tage Dauer der Kultur: 5 Tage
Auswahl der Eizellen für den Transfer bereits 1 Tag nach der Eizellentnahme Auswahl der Eizellen für den Transfer erst am 5. Entwicklungstag
Entwicklungsstadium bei Auswahl: Befruchtete Eizelle (noch kein Embryo) Entwicklungsstadium bei Auswahl: Embryo im Blastozystenstadium
Keine Aussage möglich, ob sich die Eizelle bis Tag 5 weiterentwickelt hätte Tatsächliche Entwicklungsfähigkeit bis Tag 5 wird sichtbar

Standardkultur (Tag 2–3)

Die Standardkultur ist die in der gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehene Behandlungsform. Einen Tag nach der Eizellentnahme wird kontrolliert, welche Eizellen befruchtet sind. Zu diesem Zeitpunkt handelt es sich noch um befruchtete Eizellen und nicht um Embryonen. Bereits an diesem frühen Zeitpunkt wird festgelegt, welche befruchtete Eizelle für den Transfer vorgesehen ist.

Diese befruchtete Eizelle wird anschließend weiterkultiviert und zwei bis drei Tage nach der Eizellentnahme in die Gebärmutter übertragen. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich jedoch noch nicht beurteilen, ob sich diese befruchtete Eizelle außerhalb des Körpers überhaupt bis zum fünften Entwicklungstag weiterentwickelt hätte. Diese Information steht bei der frühen Auswahl nicht zur Verfügung.

Blastozystenkultur (Tag 5)

Bei der Blastozystenkultur wird die Entscheidung bewusst später getroffen. Einen Tag nach der Eizellentnahme werden mehrere befruchtete Eizellen ausgewählt und gemeinsam weiterkultiviert. Ab dem zweiten Tag entwickeln sich diese zu Embryonen, deren Entwicklung über insgesamt fünf Tage hinweg beobachtet wird.

Erst am fünften Tag zeigt sich, welche Embryonen das Blastozystenstadium tatsächlich erreicht haben. Die Auswahl des Embryos für den Transfer erfolgt somit nicht auf Grundlage einer frühen Momentaufnahme, sondern auf Basis der tatsächlichen Entwicklungsfähigkeit über mehrere Tage hinweg.

Für viele Patientinnen ist genau dieser Unterschied entscheidend. Bei einem frühen Transfer an Tag zwei oder drei lässt sich nicht beurteilen, ob sich der Embryo außerhalb des Körpers überhaupt bis zum fünften Entwicklungstag weiterentwickelt hätte. Die Blastozystenkultur macht diese Entwicklungsfähigkeit sichtbar und ermöglicht es, Entscheidungen auf einer fundierteren Grundlage zu treffen.

Wie viele Eizellen werden kultiviert?

Mit der Blastozystenkultur gehen wir bewusst den deutschen Mittelweg. Das bedeutet, dass nicht alle befruchteten Eizellen kultiviert werden, sondern eine altersabhängig begrenzte Anzahl ausgewählt wird. Bei jüngeren Patientinnen sind es in der Regel weniger, bei älteren etwas mehr. Grundlage hierfür ist die Erfahrung, dass im Durchschnitt nur etwa ein Drittel der befruchteten Eizellen das Blastozystenstadium erreicht.

Ziel ist es, genau so viele befruchtete Eizellen zu kultivieren, wie realistisch nötig sind, um am Ende einen entwicklungsfähigen Embryo zu erhalten – nicht mehr und nicht weniger.

Der wichtigste Vorteil: Zeitgewinn für Patientinnen

Der größte Vorteil der Blastozystenkultur liegt im Zeitgewinn für die Patientinnen. Ohne Blastozystenkultur kann es passieren, dass ein Embryo an Tag zwei oder drei transferiert wird, von dem man nicht weiß, ob er sich außerhalb des Körpers überhaupt bis zum fünften Entwicklungstag weiterentwickelt hätte.

Bleibt der Erfolg aus, folgen häufig weitere Transfere in den darauffolgenden Monaten. Die Blastozystenkultur bündelt diese Erkenntnis in einem einzigen Behandlungszyklus. Embryonen, die die Entwicklung frühzeitig abbrechen, werden bereits im Labor erkannt und nicht transferiert. Dadurch können unnötige Transfere vermieden und Zeit gewonnen werden.

Der wichtigste Vorteil der Blastozystenkultur demnach der Zeitgewinn für Patientinnen.

Gleichzeitig werden keine  unnötigen Untersuchungen durchgeführt: Wird ein Embryo bereits früher transferiert, ohne zu wissen, ob er sich bis Tag 5 weiterentwickelt hätte, kann ein ausbleibender Schwangerschaftseintritt fälschlicherweise als Einnistungsproblem interpretiert werden. In der Folge werden häufig weitere, teils belastende Untersuchungen eingeleitet.

Die Beobachtung der Embryonalentwicklung bis Tag 5 ermöglicht es dagegen, frühzeitig zu erkennen, ob sich ein Embryo grundsätzlich bis zur Blastozyste entwickeln kann – und trägt so zu einer gezielteren und effizienteren Behandlung bei.

Kosten der Blastozystenkultur

Die Kosten für die Blastozystenkultur im EmbryoScope® liegen bei etwa 680 Euro und sind eine Selbstzahlerleistung. Die Blastozystenkultur wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen und auch nicht von den privaten Krankenkassen übernommen.

Einschätzung unserer Expertinnen zur Blastozystenkultur

Aus unserer fachlichen Sicht überwiegen bei der Blastozystenkultur klar die Vorteile. Sie ist keine Garantie für eine Schwangerschaft, ermöglicht jedoch eine deutlich fundiertere Auswahl des Embryos und einen spürbaren Zeitgewinn für die Patientinnen.

Gerade weil Zeit in der Kinderwunschbehandlung ein entscheidender Faktor ist, empfehlen wir die Blastozystenkultur in der Regel bei nahezu allen Behandlungen. Sie hilft Entwicklungsprozesse besser zu verstehen und unnötige Transfere zu vermeiden.

Unser Fazit: Die Blastozystenkultur ist aus unserer Sicht eine sehr sinnvolle Zusatzmaßnahme, bei der die Vorteile klar überwiegen.

 

Reproduktionsmedizin
in Bonn. –

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